Es gibt wohl kaum jemanden, der sie nicht mag, die alten Schwarzweiß-Fotografien aus den Bergen. Aufgenommen von einem Profi, der gestochen scharfe Bilder festhielt, vom sorgfältig ausgewählten Standort, bei möglichst bestem Wetter. Denn einst war das Fotografieren noch eine komplizierte und auch teure Angelegenheit. Darüber hinaus musste die schwere Ausrüstung aus eigener Kraft zum Ort des Geschehens getragen werden, und das erforderte je nach Gelände bergsteigerische Erfahrung, Ausdauer und Mut. So war es wichtig, alles gewissenhaft zu planen und vorzubereiten, damit zum Schluss diese herrlichen Natur- oder Landschaftsaufnahmen entstanden! Mit fantastischen Wolkenformationen, perfekten Kontrasten und zauberhaften Stimmungen – gerade auch im Winter – wie man sie wohl nur bei der Schwarzweiß-Fotografie findet!
Einer dieser Foto-Pioniere, der die beeindruckendsten Aufnahmen in den Allgäuer Bergen einfangen konnte, war Leo Schnellbach (1911–1998). Damals, in den 1930er-Jahren, als die Kameras noch unhandlich waren und das Bergsteigen abenteuerlich, als nur wenige einen eigenen Fotoapparat besaßen und kaum jemand sich zutraute, damit auch noch in die Berge zu gehen, fand Schnellbach in der Allgäuer Gipfelwelt seine schönsten Motive. Und bald schon interessierten sich Zeitschriften und Verlagen dafür. Am Main aufgewachsen, war Schnellbach aus Liebe zum Allgäu 1935 als junger Mann allein nach Sonthofen umgesiedelt und hatte im Fotohaus Heimhuber eine Stelle als Fotolaborant angenommen. Jedes freie Wochenende verbrachte er anschließend mit der Kamera in den Bergen.
Bei seinen frühen Unternehmungen war Leo Schnellbach nicht nur mit beschwerlichem Foto-Equipment, sondern mit einer damals allgemein noch sehr spärlichen Bergausrüstung im Gebirge. Ein Hanfseil, das um die Brust oder den Bauch geschlungen und verknotet wurde, ein paar massive Haken und Karabiner für die Sicherung, dazu die klobigen Lederschuhe und einfache Kletterpatschen – das musste ausreichen. Viel lernen konnte er von seinen Seilgefährten, darunter Fritz Heimhuber, der als Bergsteiger und Fotograf zu den Besten gehörte, oder auch Hermann Grosselfinger, einem Spitzenkletterer mit extremen Erstbegehungen in seiner Tourenliste. Gern ging Schnellbach aber auch allein auf Fototour, liebte die Herausforderung, sich per Selbstauslöser im schwierigen Berggelände abzulichten.


Zeittypisch im Dirndl, erschien auf so manchem Bergfoto bald auch Schnellbachs Frau, denn sie und später die Kinder gingen gern mit auf Tour. In Sonthofen wurde ein eigenes Fotogeschäft eröffnet. Sohn Rudolf absolvierte beim Vater eine Fotografen-Lehre, übernahm schließlich den Betrieb und erwarb auch in Oberstdorf einen Fotoladen. Mittlerweile führt Leo Schnellbachs Enkelin Marion zusammen mit ihrem Mann Claus Bosch dos Santos das Foto- und Papeterie-Geschäft Schnellbach in Oberstdorf. Sie hat sich auf individuelle Hochzeitsfotos inmitten der Allgäuer Naturlandschaft spezialisiert, verfügt aber zugleich mit dem Familienarchiv über einen wunderbaren Fundus an Bergfotografien (www.foto-schnellbach.de; www.hochzeitsfotografin-allgäu.de). Und wenn jene alten Schätze heute so richtig groß auf Leinwand aufgezogen werden, dann ist die Wirkung nach wie vor grandios!
Foto 1: Damals - als Fotografieren und Bergsteigen noch andere Abenteuer waren als heute.
Foto 2: Als man das Wort „Selfie“ noch nicht kannte, fotografierte sich Leo Schnellbach mit dem Selbstauslöser.
Foto 3: Leo Schnellbach schuf stimmungsvolle Bilder aus den Allgäuer Bergen.
Text: ©Uli Auffermann
Bilder: ©Leo Schnellbach
