Ein Interview mit Jonathan Besler

Ich bin Jonathan Besler, 31 Jahre alt und komme aus Hinterstein im Allgäu. Aufgewachsen in den Allgäuer Bergen und immer in der Natur unterwegs, wollte ich schon als Kind die schönsten Momente in meiner Heimat festhalten.

Um auf meine erste Kamera zu sparen, habe ich mit 16 Jahren angefangen am Wertstoffhof zu arbeiten. Das hat allerdings mit 6,50€ in der Stunde etwas länger gedauert. 3 Jahre später konnte ich mir dann endlich meine langersehnte Spiegelreflex-Kamera leisten.

Nach der Schule studierte ich Mediendesign in Ravensburg. Währenddessen habe ich immer mehr hobbymäßig fotografiert und mich auf die Landschaftsfotografie spezialisiert. Mit 22 Jahren habe ich mich komplett selbstständig gemacht.

Was macht für dich ein gutes Foto aus?

Ich versuche immer in meinen Fotos den Moment so einzufangen wie er sich für mich angefühlt hat.

Da ich diesen Moment so nie wieder erleben werde, ist es mir wichtig, den Moment technisch und kreativ so gut wie möglich aufzunehmen. Ich mache mir beim Aufnehmen Gedanken zur Bildkomposition und Wirkung. In diesem Moment ist Kreativität gefragt, was das Fotografieren für mich so interessant macht.

Ein gutes Foto macht für mich also die richtige Mischung aus Gefühl, Ideen, Kreativität und Technik aus.

Was war dein bestes Fotoerlebnis in und um Oberstdorf?

Ich hatte ganz viele wunderschöne und besondere Erlebnisse in und um Oberstdorf, doch ein Tag ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Einen der allerschönsten Sonnenaufgänge durfte ich erleben, nachdem ich die Nacht in einem Gewitter am Nebelhorn verbrachte.

Die Wolken, die nach dem Gewitter eine besondere Form hatten, wurden durch die ersten Sonnenstrahlen rot gefärbt. Der Himmel brannte regelrecht und die warmen Sonnenstrahlen auf den markanten Berggipfeln fingen an zu strahlen. Diesen besonderen Morgen nach einer sehr ungemütlichen Nacht werde ich nie vergessen.

Warum fotografierst du hauptsächlich die heimischen Berge und nicht Strand und Meer?

Ich gehe auch gerne auf Reisen und fotografiere in anderen Ländern. In meiner Heimat ist es aber immer noch besonderer, da ich einen ganz anderen Bezug zu den Landschaften und Bergen im Allgäu habe. Wenn ich auf Reisen bin, komme ich genauso gerne wieder heim und freue mich auf meine Heimat. Ich bin dankbar die Allgäuer Berge als Heimat zu haben und dort unzählige schöne Momente erleben zu dürfen.

Womit verbringst du mehr Zeit, mit der Fotografie an sich oder der Bearbeitung der Bilder?

Fotos sind sehr schnell aufgenommen, auch wenn ich mir vor Ort viel Zeit nehme.

Die Bearbeitung nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch. Mittlerweile nehme ich fast keine Einzelbilder mehr auf, sondern teilweise hunderte Fotos. Diese füge ich im Anschluss zu einem riesigen Panoramabild zusammen. Das hat den Vorteil, dass meine Bilder eine extreme Auflösung haben und sie sehr groß gedruckt werden können.


Ich habe mittlerweile fast 5 Millionen Fotos in den letzten 12 Jahren aufgenommen. Alleine das Sortieren und Organisieren nimmt immer wieder viel Zeit in Anspruch.

Wie beeinflusst Künstliche Intelligenz (KI) deine Arbeit?

Künstliche Intelligenz kann in vielen Bereichen mit Sicherheit sehr praktisch und hilfreich sein. In der Landschaftsfotografie geht es allerdings um den tatsächlichen Moment. Das Ziel ist es, einzigartige Stimmungen aus der Natur festzuhalten, die so nie wieder kommen werden. Diese authentischen Momente kann eine KI nicht erreichen. Sie versucht letztendlich nur diese zu imitieren.

Welche Dinge nimmst du auf eine (Foto-) Wanderung immer mit?

Die schönsten Momente ergeben sich oft zufällig. Deshalb kann es sein, dass ich meine Kamera mit wenigen Objektiven in einen kleinen Rucksack packe, Schuhe und Jacke anziehe und einfach los gehe.

Gehe ich geplant zum Fotografieren, habe ich mehrere Kameras im Fotorucksack dabei. Dazu Stative für Zeitraffer oder Nachtaufnahmen, etwas zu Trinken und Essen. Je nach Motivation wiegt meine Ausrüstung dann zwischen 8 bis 25 kg. Wichtig ist je nach Witterung und Jahreszeit natürlich die richtige Kleidung. Lieber nehme ich mehr mit, als dass ich frieren muss.

Welches ist dein persönliches Lieblingsfoto und warum?

Mein persönliches Lieblingsfoto ist das Kälble, das in der ersten Morgensonne im Wald steht. Dieses Bild ist für mich deshalb so besonders, da dieser Moment absolut ungeplant und durch Zufall entstand. Ich habe die Nacht in den Bergen verbracht. Auf dem Heimweg stand plötzlich dieses kleine Kalb im Wald. Ich habe schnell meine Kamera aus meinem Rucksack geholt und diesen Moment festgehalten. Sekunden später war das Kalb wieder weg. Diese wunderbare Begegnung mit dem kleinen Kälble im ersten Sonnenlicht werde ich nie vergessen.

Lieblingsfoto Jonathan Besler
Deine 3 Tipps für ein gelungenes Bergfoto?

1. Am wichtigsten sind neben dem passenden Motiv vor allem das Wetter und Licht. Die Natur gibt den Moment vor, du darfst ihn festhalten. Viel Geduld ist hier gefragt, die meisten Fotos setzen stundenlanges Warten voraus.

2. Die Bildkomposition ist wichtig, um dein Foto interessant zu gestalten. Ich versuche möglichst den goldenen Schnitt in meinen Bildern zu verwenden.

3. Konzentriere dich auf ein bestimmtes Motiv und setze dieses so gut es geht in Szene. Das können Blumen im Vordergrund sein oder ein bestimmter Berg im Hintergrund. Probiere viel aus, dann kannst du später entscheiden, welches Bild dein Favorit wird.

Welchen Fototipp hast du für Menschen, die „nur“ ein Smartphone zur Hand haben?

Es ist gar nicht so wichtig ob du die teuerste und beste Kamera zur Hand hast. Wichtig ist, dass du so viel wie möglich ausprobierst, kreativ bist und Freude dabei hast.

Mein Tipp an dich ist, probiere andere Perspektiven aus. Ändere auch mal deine Position, denn manche Fotoaufnahmen mit einer niedrigeren oder höheren Perspektive sehen besser aus, als auf deiner Augenhöhe.

Geh auch mal in die Knie oder leg dich auf den Boden, das gibt ganz besondere Blickwinkel. Es kommt manchmal vor, dass dich andere Leute dann verwirrt anschauen.

Denk aber nicht zu viel über alles nach, sondern mach es einfach. In der Landschaftsfotografie kann eine kleine Veränderung der Perspektive einen großen Unterschied machen.

Wofür interessierst du dich noch neben der Fotografie?

Die Fotografie ist natürlich ein großer Teil von meinem Leben. In meiner restlichen Zeit beschäftige ich mich aber kaum damit. Ich sehe die Fotografie als schönen Ausgleich zum restlichen Alltag und nach wie vor als Hobby an. Ich muss keine Bilder aufnehmen. Ich darf und will das für mich machen, ganz ohne Druck oder Verpflichtungen. Das Fotografieren bleibt so immer entspannt und voller Freude.

Ich bin sehr technikbegeistert und interessiere mich für Geografie. Das kann ich allgemein alles sehr gut verbinden. In meinem Alltag, der Natur und auf Reisen.

Hast du einen Traum oder Ziele für die nächsten Monate/Jahre?

Meinen größten Traum habe ich mir schon erfüllt. Seit Juni 2023 habe ich meine eigene Fotogalerie am Marktplatz in Oberstdorf. Dort kannst du meine besten Fotos im großen Format ansehen. In Zukunft möchte ich noch mehr meine Heimat und andere Länder entdecken. Mein persönliches Ziel ist es, soviel Zeit wie möglich in der Natur zu verbringen. Das erfüllt mich letztendlich am meisten.

Wo findet man dich, wenn du mal nicht hinter der Kamera stehst?

Aktuell bin ich sehr viel in meinem Laden in Oberstdorf. Dort sind die Chancen am größten, mich zu treffen. Ich freue mich dich persönlich kennenzulernen! Ansonsten bin ich auch abseits vom Fotografieren gerne in der Natur beim Spazieren und Wandern.

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