Das diesjährige Thema des Fotogipfels ist „Abenteuer“. Viele Menschen verbinden Abenteuer mit Extremsituationen. Was bedeutet Abenteuer für Sie ganz persönlich? Sind es die großen Erlebnisse oder können es auch die kleinen Dinge im Alltag sein?
Wenn ich an Abenteuer denke, dann denke ich nicht zuerst an das Spektakel, nicht an den großen Nervenkitzel oder an das Lautstarke. Es beginnt da, wo ich mich öffne für etwas, das ich noch nicht kenne. Wo ich bereit bin, meine Komfortzone zu verlassen. Wo ich hinschaue, obwohl es einfacher wäre, wegzuschauen.
Für mich beginnt Abenteuer oft ganz leise. In einer Begegnung mit einem Menschen, der mir eine neue Sicht auf die Welt schenkt. In einer Reise, die nicht nur geografisch, sondern innerlich etwas in Bewegung bringt. In einem Bild, das mich plötzlich innehalten lässt. Oder auch in der Politik: wenn man für etwas kämpft, das noch nicht oder nicht mehr selbstverständlich ist — für Freiheit, für Gerechtigkeit, für Kultur, für Demokratie.
Und gerade die Arbeit von Esther Horvath zeigt für mich auf beeindruckende Weise, was Abenteuer im besten Sinne bedeuten kann: Sie begleitet seit vielen Jahren wissenschaftliche Expeditionen in die Arktis und Antarktis. Ihre Bilder führen uns in extreme, fragile, majestätische Landschaften. Aber sie erzählen nicht vom Abenteuer als Selbstzweck. Sie erzählen von Verantwortung. Von Forschung. Von Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen Daten sammeln, um die Auswirkungen des Klimawandels besser zu verstehen. Sie machen sichtbar, dass die Polarregionen keine fernen, abstrakten Welten sind, sondern verletzliche Räume, deren Zukunft untrennbar mit unserer eigenen verbunden ist.
Abenteuer heißt für mich: neugierig bleiben. Sich nicht einrichten im Gewohnten. Die Welt nicht für fertig erklärt halten. Es sind natürlich auch die großen Erlebnisse, die uns prägen. Aber manchmal ist das kleine Alltagsabenteuer genauso wichtig: ein anderer Weg, ein neues Gespräch, ein mutiger Gedanke, ein Perspektivwechsel.
Gerade heute, in einer Zeit voller Verunsicherung, ist das vielleicht besonders wichtig: den Mut nicht zu verlieren. Den Mut zur Offenheit. Den Mut zum Staunen. Den Mut, sich berühren zu lassen. Denn Abenteuer ist für mich nicht Flucht aus der Welt — sondern eine besonders wache, lebendige Art, in ihr zu sein.