
Wir haben unserer Schirmfrau, der ungarischen Fotografin Esther Horvath elf Fragen gestellt - und elf überraschende Antworten bekommen.
Du bist weltweit als Wissenschafts- und Expeditionsfotografin unterwegs. Für viele ist eine solche Arbeit unvorstellbar und wenig greifbar. Ist eine solche Arbeit nicht auch das reinste Abenteuer?
Für manche klingt meine Arbeit sicher nach Abenteuer. Für mich steht immer die wissenschaftliche Mission im Mittelpunkt. Ich begleite Forschende, dokumentiere ihre Arbeit und übersetze komplexe Zusammenhänge in Bilder. Das Abenteuer entsteht dabei als Nebenprodukt: durch die Orte, die Bedingungen und die Unvorhersehbarkeit der Arktis.
Viele Menschen verbinden Abenteuer mit Extremsituationen. Was bedeutet Abenteuer für Dich ganz persönlich? Sind es die großen Expeditionen oder können es auch die kleinen Dinge im Alltag sein?
Für mich bedeutet Abenteuer, etwas zu tun, das mich herausfordert und wachsen lässt — und das kann sowohl eine große Expedition sein als auch ein kleiner Moment im Alltag. In der Arktis ist jedes Betreten des Meereises ein Abenteuer. Aber auch zu Hause kann ein neuer fotografischer Ansatz abenteuerlich sein.
Gibt es eine Situation aus Deinen Expeditionen, die Du als besonders prägend oder abenteuerlich beschreiben würdest?
Die MOSAiC Expedition war für mich prägend wie kaum eine andere. Ich habe 3,5 Monate während der Polarnacht nahe des Nordpols fotografiert — völlige Dunkelheit, extreme Kälte, absolute Abgeschiedenheit. Ein Moment, der mich nie loslässt, war die Begegnung mit einer Eisbärenmutter und ihrem Jungtier, die in den Lichtkegel unseres Forschungsschiffs Polarstern traten.
Was macht für Dich ein fotografisches Abenteuer aus?
Ein fotografisches Abenteuer beginnt dort, wo ich nicht weiß, was mich erwartet — wo ich mich auf meine Intuition, meine Erfahrung und meine Fähigkeit verlassen muss, im richtigen Moment präsent zu sein. Es geht weniger um Gefahr, sondern um Offenheit: für Licht, für Begegnungen, für wissenschaftliche Prozesse, die sich nicht planen lassen.
Du bist beim diesjährigen Fotogipfel 2026 künstlerische Schirmfrau. Was reizt dich daran, diese Rolle zu übernehmen?
Es ist mir eine große Ehre, Schirmfrau zu sein. Der Fotogipfel verbindet Fotografie, Natur und Begegnung — drei Dinge, die meine Arbeit prägen. Ich freue mich, meine Perspektive auf die Polarregionen einzubringen und gleichzeitig Teil eines Festivals zu sein, das Menschen für Fotografie begeistert.
Der Fotogipfel bringt Fotografie in unsere alpine Berglandschaft – ein hoher Kontrast zur Arktis und den Polarregionen. Dennoch: beides ist geprägt von einzigartiger Natur und Landschaft. Welche Bedeutung hat Natur für dich, deine Arbeit?
Natur ist der Kern meiner Arbeit. Ohne die Natur gäbe es meine Fotografie in dieser Form nicht. Die Arktis und die Alpen unterscheiden sich und gleichzeitig beide zeigen, wie verletzlich unsere Ökosysteme sind. Natur ist für mich Inspiration, und Verantwortung zugleich.
Was macht für dich den besonderen Reiz, den Mehrwert eines Erlebnisfestivals wie des Fotogipfels, aus?
Ein Erlebnisfestival schafft Nähe — zwischen Menschen, Bildern und Geschichten. Man begegnet Fotografie nicht nur an der Wand, sondern im Austausch, im Gespräch, im gemeinsamen Staunen.
Wir dürfen uns auf Deine Ausstellung auf dem Gipfel des Nebelhorns auf 2.224 m freuen. Was erwartet uns inhaltlich und visuell? – Und was erwartest Du von diesem besonderen Ausstellungsort?
Auf dem Nebelhorn, umgeben von der alpinen Landschaft, entsteht ein spannender Kontrast: Arktis und Alpen, zwei Welten, die beide vom Klimawandel geprägt sind. Ich hoffe, dass dieser Ort die Besucherinnen und Besucher emotional öffnet und die Bilder noch intensiver wirken lässt.
Welchen Rat würdest du jungen bzw. startenden Fotografinnen und Fotografen geben, die davon träumen, Abenteuer fotografisch zu dokumentieren?
Sucht euch Themen, die euch wirklich berühren und in eurem Herz liegen.
Worauf freust du dich am meisten beim Fotogipfel?
Auf die Menschen. Auf die Gespräche. Und darauf, meine Bilder an einem Ort zu zeigen, der selbst ein Erlebnis ist.